Am Sonntag, 25. Oktober 2026, wird aus drei Uhr morgens noch einmal zwei Uhr. Deutschland kehrt zur Mitteleuropäischen Zeit zurück, meist Winterzeit genannt. Damit ist der nächste Uhrenwechsel geklärt, nicht aber die größere Frage: Welche Zeit sollte gelten, wenn das Umstellen entfiele?
Zwei Entscheidungen werden dabei häufig vermischt. Die eine betrifft den halbjährlichen Wechsel, die andere die dauerhafte Lage von Schulbeginn, Arbeitszeit und Feierabend gegenüber dem Sonnenlicht. Wer den Wechsel abschaffen will, hat damit noch nicht zwischen Normal- und Sommerzeit gewählt.
Morgenlicht oder heller Feierabend?
Sommerzeit verlängert nicht den Tag. Sie verschiebt die Uhrzeit von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang um eine Stunde nach hinten. Bei unveränderten Arbeitszeiten bleibt dadurch abends länger Tageslicht; morgens wird es entsprechend später hell. Dauerhafte Sommerzeit würde diese Verschiebung auch im Winter beibehalten.
Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin AASM spricht sich für ganzjährige Normalzeit aus. Ihr Argument: Licht und Dunkelheit stellen die innere Uhr. Fehlendes Morgenlicht und spätes Abendlicht können den biologischen Rhythmus nach hinten verschieben, während Schule und Arbeit weiterhin frühes Aufstehen verlangen. Das ist eine physiologisch begründete Empfehlung – aber kein direkter Langzeitvergleich sämtlicher Folgen beider Zeitmodelle.
Was Studien zeigen – und was nicht
Eine 2026 im European Journal of Epidemiology veröffentlichte systematische Übersicht wertete 157 Studien aus 36 Ländern aus. Das Team um Aiste Steponenaite fand kein durchgehend negatives Bild: Der Wechsel im Frühjahr war mit mehr akuten Herzinfarkten verbunden; Hinweise auf mehr tödliche Verkehrsunfälle kamen besonders aus den USA. Für die Rückstellung im Herbst zeigten sich teilweise günstigere Befunde, etwa bei Arbeitsunfällen.
Auch Sommerzeit während der Sommermonate schnitt in einzelnen Untersuchungen bei Sterblichkeit oder Verkehrsunfällen günstiger ab. Daraus folgt jedoch kein Beleg für Vorteile ganzjähriger Sommerzeit. Die meisten Arbeiten untersuchten kurze Zeiträume um den Wechsel; direkte Vergleiche dauerhaft geltender Zeitmodelle waren selten. Nur etwa jede fünfte Studie erhielt eine hohe Qualitätsbewertung. Die Forschenden fassten die unterschiedlichen Ergebnisse beschreibend zusammen, statt einen gemeinsamen Gesamteffekt zu berechnen.
Entscheidend ist der Vergleich: Wer Schlaf im Sommer unter Sommerzeit mit Schlaf im Winter unter Normalzeit vergleicht, erfasst zugleich Jahreszeitenunterschiede. Belastbarer wären Vergleiche derselben Jahreszeit mit geeigneten Kontrollgruppen. Auch Befunde aus anderen Ländern lassen sich wegen unterschiedlicher Tageslängen und Alltagszeiten nicht einfach auf Deutschland übertragen.
Was Europa noch entscheiden muss
Die EU-Kommission schlug 2018 vor, die saisonale Umstellung zu beenden; das Europäische Parlament unterstützte das Vorhaben 2019. Im Rat fehlt nach Angaben der Kommission weiterhin ein gemeinsamer Standpunkt. Anschließend müssten sich die Gesetzgeber auf eine Regelung einigen. Welche Zeit dauerhaft gilt, sollen nach dem Vorschlag die Staaten entscheiden – abgestimmt mit ihren Nachbarn, um neue Brüche im Binnenmarkt zu vermeiden.
Eine weitere Entscheidungsstudie soll laut Kommission voraussichtlich bis Ende 2026 fertig werden. Das Wirtschaftsministerium erwartet die Vorstellung bei den Mitgliedstaaten 2027. Das ist kein Abschaffungstermin.
Eine tragfähige Entscheidung braucht deshalb getrennte Bilanzen: für den Wechsel selbst und für jede dauerhafte Alternative, jeweils über alle Jahreszeiten. Forschung kann gesundheitliche Folgen und Unsicherheiten benennen. Wie Morgenlicht, Freizeit am Abend und grenzüberschreitender Alltag gewichtet werden, bleibt eine politische Abwägung.
Redaktionell geprüft · 24. Oktober 2026


