WIRTSCHAFT

Viele Bauaufträge, aber noch kein breiter Aufschwung

Großprojekte treiben die Bauaufträge im August kräftig nach oben. Doch hinter dem Rekordplus liegen erhebliche Unterschiede: Der Tiefbau zieht an, der Hochbau kommt im Dreimonatsvergleich kaum voran.

Die deutsche Bauwirtschaft meldet einen außergewöhnlichen Auftragsschub. Im August lagen die Bestellungen preisbereinigt sowie saison- und kalenderbereinigt um 23 Prozent über dem Juli. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war das der stärkste Monatsanstieg seit Beginn der Zeitreihe 1991. Den Ausschlag gaben mehrere Großaufträge.

Die am 23. Oktober veröffentlichten Zahlen sind ein positives Signal, aber noch kein Beleg für einen flächendeckenden Aufschwung. Entscheidend ist, welche Bausparten wachsen, über welchen Zeitraum – und ob die Bestellungen auch bei kleineren Betrieben ankommen.

Drei Vergleiche, drei Aussagen

Der Monatsvergleich zeigt die Wucht des jüngsten Sprungs: Im Hochbau stiegen die Aufträge gegenüber Juli um 12,4 Prozent, im Tiefbau um 31,6 Prozent. Weil einzelne Großprojekte einen Monat stark beeinflussen können, lohnt der Blick auf einen längeren Zeitraum.

Von Juni bis August lagen die Bestellungen insgesamt um 7,6 Prozent über denen von März bis Mai. Dabei legte der Tiefbau um 13,8 Prozent zu, der Hochbau dagegen lediglich um 0,6 Prozent. Beide Vergleiche sind um Preise, saisonale Einflüsse und Kalendereffekte bereinigt. Der Hochbau hat sich über drei Monate betrachtet also kaum bewegt, obwohl sein Augustwert deutlich anzog.

Gegenüber August 2025 ergibt sich wiederum ein reales, kalenderbereinigtes Auftragsplus von 17,3 Prozent. Dieser Vergleich beantwortet eine andere Frage als die Monatsrate: Er misst den Abstand zum Vorjahr, nicht die jüngste Beschleunigung. Die drei Wachstumsraten dürfen deshalb weder gleichgesetzt noch addiert werden.

Großprojekte sind nicht gleich Wohnungsboom

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie verweist insbesondere auf Großprojekte im Bahnbau, der statistisch zum Wirtschaftstiefbau zählt. Für Januar bis August beziffert er den realen, kalenderbereinigten Auftragszuwachs auf 3,2 Prozent. Das ist wesentlich weniger spektakulär als der einzelne Augustwert.

Auch Wohnungsbauaufträge müssen genauer betrachtet werden. Nach Darstellung des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe lag deren Wert in Bayern im August nominal um 62,1 Prozent über dem Vorjahr. Dahinter stecke im Wesentlichen ein Bundeswehr-Großauftrag für Unterkunftsgebäude. Ohne diesen hätte das nominale Plus lediglich 1,6 Prozent betragen, rechnet der Verband vor.

Diese regionale Angabe ist keine bundesweite Trendmessung. Sie zeigt aber die Grenze der Statistik: Ein Auftrag für militärische Unterkünfte kann die Wohnungsbauzahlen erhöhen, ohne dass daraus zusätzliche Wohnungen auf dem allgemeinen Mietmarkt entstehen. Für Wohnungssuchende lässt sich aus dem Auftragssprung deshalb keine rasche Entspannung ableiten.

Für kleinere Betriebe bleibt vieles offen

Der Baugewerbeverband kritisiert, öffentliche Aufträge würden in Paketen vergeben, bei denen nur wenige große Unternehmen mitbieten könnten. Der Industrie-Verband beurteilt die Lage zuversichtlicher: Er erwartet, dass Großprojekte zeitversetzt stärker im Umsatz ankommen. Beide vertreten Brancheninteressen, setzen aber unterschiedliche Akzente.

Ob kleinere Betriebe bereits profitieren, lässt sich aus den Gesamtzahlen nicht ablesen. Die hier betrachtete monatliche Auftragsstatistik erfasst Baubetriebe mit mindestens 20 Beschäftigten. Die kleinsten Betriebe sind damit nicht unmittelbar abgebildet.

Zudem sind angenommene Aufträge noch keine ausgeführten Bauleistungen. Die preisbereinigten Umsätze lagen nach der Auswertung der Bauindustrie von Januar bis August nur um 0,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Das spricht für eine leichte Belebung, nicht für einen Boom. Belastbarer wäre ein Aufschwung, der über mehrere Monate anhält und neben dem Tiefbau auch den Hochbau sowie kleinere Betriebe erreicht.

Redaktionell geprüft · 24. Oktober 2026

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