Die CSU hat ihre Unterstützung für Ilse Aigner auf dem Parteitag in München bekräftigt. Eine gemeinsame Kandidatin von CDU, CSU und SPD für die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers steht damit noch nicht fest. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz begrüßte die bayerische Landtagspräsidentin am 24. Oktober zwar unter großem Beifall, legte sich zur Besetzung des höchsten Staatsamts aber nicht fest.
Für die weitere Entscheidung sind drei Dinge auseinanderzuhalten: die Werbung einer Partei für eine Persönlichkeit, eine gemeinsam vereinbarte Kandidatur und die tatsächliche Wahl. Über Letztere entscheidet weder der CSU-Parteitag noch der Kanzler, sondern die Bundesversammlung am 30. Januar 2027.
Die Mehrheit entsteht auch in den Ländern
Die Bundesversammlung besteht aus den Bundestagsabgeordneten und ebenso vielen Mitgliedern, die von den Landesparlamenten nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden. Bei 630 Bundestagsmitgliedern ergibt das 1260 Wahlleute. Für die ersten beiden Wahlgänge sind mindestens 631 Stimmen nötig. Erst in einem dritten genügt die höchste Stimmenzahl.
Damit ist die Regierungsmehrheit im Bundestag allein nicht ausschlaggebend. Auch die Kräfteverhältnisse in den Landtagen zählen. Die Landesregierungen können ihre Delegationen nicht einfach geschlossen bestimmen; die Auswahl erfolgt durch die Parlamente.
Eine Modellrechnung von Wahlrecht.de mit Berechnungsstand 21. September veranschlagt für CDU und CSU zusammen 431 bis 432 Mitglieder, für die SPD 251 bis 253. Gemeinsam lägen sie damit gut 50 Sitze über der absoluten Mehrheit. Die Union allein bliebe deutlich darunter. Die Rechnung berücksichtigt die Septemberwahlen, ist aber keine amtliche Endverteilung: Bei der Wahl der Ländervertreter können gemeinsame Listen und abweichendes Stimmverhalten das Ergebnis verändern.
Politisch folgt daraus: Eine Verständigung mit der SPD könnte eine gemeinsame Kandidatur rechnerisch tragen. Zusätzliche Unterstützung wäre für die absolute Mehrheit nach dieser Prognose nicht erforderlich. Garantiert wäre ein Wahlerfolg dennoch nicht. Gewählt wird geheim; die Mitglieder sind ausdrücklich nicht an Aufträge und Weisungen gebunden.
Welche Kriterien öffentlich genannt werden
Die CSU wirbt für Aigner. Aus der CDU wird dagegen weiterhin der Anspruch auf eine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten signalisiert, wie Deutschlandfunk und ZDF berichten. Das ist zunächst eine Frage parteipolitischer Mitsprache, noch kein gemeinsamer Maßstab für die persönliche Eignung.
Konkreter äußerte sich der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese. Gegenüber ZDFheute plädierte er für eine Frau im höchsten Staatsamt. Der Rheinischen Post nannte er persönliche Integrität, öffentliche Ausstrahlung und die Fähigkeit, unterschiedliche gesellschaftliche und politische Gruppen zu verbinden. Aigner zählt für ihn zum geeigneten Personenkreis. Das ist Zuspruch, aber noch keine verbindliche Nominierung durch die SPD.
Auch Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann sprach sich gegenüber ZDFheute für eine Bundespräsidentin aus. Daraus folgt ebenfalls keine Festlegung auf Aigner. AfD und Linke lehnen ihre Wahl nach dem ZDF-Bericht ab. Die AfD kündigte einen eigenen Kandidaten an; die Linke bezeichnete ihre internen Beratungen als noch nicht abgeschlossen.
Was aus Unterstützung eine Kandidatur macht
Eine Begrüßung unter Applaus dokumentiert zunächst nur eine Begrüßung und die Reaktion des Saals. Sie ersetzt weder eine öffentliche Zusage von Merz noch eine Vereinbarung der Parteien.
Vom politischen Einigungsprozess ist zudem der förmliche Wahlvorschlag zu unterscheiden: Jedes Mitglied der Bundesversammlung darf ihn schriftlich einreichen; die vorgeschlagene Person muss schriftlich zustimmen. Ein exklusives Vorschlagsrecht einer Partei sieht das Gesetz nicht vor. Für Aigner bleibt daher entscheidend, ob aus der CSU-Unterstützung eine tragfähige Verständigung über Parteigrenzen hinweg wird.
Redaktionell geprüft · 24. Oktober 2026

